Adresse 15868 Jamlitz/Jemjelnica
Infos über den Veranstaltungsort
Von der Künstleridylle über die Abgründe des 20. Jahrhunderts bis hin zur zeitgenössischen Kunst im öffentlichen Raum: Jamlitz ist ein Ort, der historische Kontraste auf kleinstem Raum vereint.
Jamlitz wird zum Ausstellungsraum: Kunst trifft Geschichte, Leerstellen und Zukunftsfragen
Im Rahmen der openart Lausitz Biennale 2026 wird der Ort Jamlitz im Landkreis Dahme-Spreewald selbst zum zentralen Exponat. Dabei steht Jamlitz nicht nur beispielhaft für den vielzitierten „Strukturwandel“, sondern stellvertretend für zahlreiche Orte in der Niederlausitz, an denen sich historische, politische und gesellschaftliche Brüche überlagern. Hier verdichten sich verschiedene Zeitschichten: die Industrialisierung und die Ansiedlung einer Künstlerkolonie in naturnaher Umgebung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die NS-Zeit mit der Errichtung eines Außenlagers des KZ Sachsenhausen, dessen Nutzung bis in die 1950er Jahre durch die sowjetische Militäradministration fortgeführt wurde, sowie die tiefgreifenden Veränderungen nach 1989 durch Deindustrialisierung und infrastrukturellen Rückbau. Diese Geschichte ist nicht abgeschlossen. Sie ist im Ort weiterhin präsent: in leerstehenden Gebäuden und Anlagen, überformten Flächen und in dem, was fehlt. Der Rückgang des Wassers infolge des Braunkohleabbaus ließ einstige Seen austrocknen, während soziale Infrastruktur und alltägliche Begegnungsorte sich mehr und mehr ins Private verlagert haben. Ein zentraler Schauplatz der Biennale ist die sogenannte „Alte BHG“. Die ehemalige Lagerhalle wird zum vielschichtigen Erinnerungs- und Bedeutungsraum: einst logistischer Knotenpunkt, Teil nationalsozialistischer Infrastruktur, später in der DDR zur Lagerung von Fischfutter genutzt, heute in Privatbesitz mal als Lager und mal als Tanzsaal genutzt, wird im Rahmen der Biennale temporäre Kunsthalle für zeitgenössische Kunst.
Der kuratorische Ansatz der Ausstellung in Jamlitz widmet sich den Themen „Leerstellen, Überwachsungen, Vernachlässigung und Möglichkeiten“. Internationale und regionale Künstler:innen entwickeln ortsspezifische Installationen und Interventionen, die sich mit den sozialen, historischen und räumlichen Gegebenheiten auseinandersetzen und neue Perspektiven auf den Ort eröffnen. Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die Öffnung des künstlerischen Arbeitsprozesses: Während der Aufbauphase haben Besucherinnen die Möglichkeit, Einblicke in die Entstehung der Werke zu erhalten. Das Tischgespräch am 12. August um 18 Uhr (Start Kunsthalle BHG, Kastanienallee 2) lädt zum Austausch mit den Künstler:innen ein. In der direkten Auseinandersetzung mit der Intention der Künstler:innen und im anschließenden gemeinsamen zwanglosen Tafeln entsteht im Austausch mit dem Ort und seinen Geschichten ein besonderer Dialog. Die Biennale in Jamlitz versteht sich damit nicht nur als Ausstellung, sondern als Einladung, sich mit Vergangenheit, Gegenwart und möglichen Zukünften eines Ortes auseinanderzusetzen, der exemplarisch für viele Regionen im Wandel steht.
Die Lager Jamlitz
Kunstverein Brandung e.V.
Künstlerkolonie Jamlitz